Auf den Spuren Rosamunde Pilchers, Teil 1

Der Auftakt meiner Travelseite führt uns zu einer der schönsten Landschaften Europas. Wer kennt nicht die kitschig-schönen Aufnahmen der Rosamunde Pilcher-Verfilmungen inklusiver nicht weniger kitschig-schöner Drehbücher. In den letzten 20 Jahren wurden über 100 Pilcher-Romane für das deutsche Fernsehen gedreht und somit der Südwesten Englands zu einer immer beliebteren Urlaubsdestination der Deutschen. Meine Reise führte mich in die Grafschaften Somerset, Devon und Cornwall, die mit der Autobahn M 5 und der Fernverkehrsstraße A 39 entlang der Atlantikküste verbunden sind. Je nach Routenplan und verfügbarer Flüge ist der Südwesten Englands über die internationalen Flughäfen Bristol, Exeter oder London gut erreichbar. Es empfiehlt sich aufgrund der oft sehr engen Straßen einen nicht all zu großen Mietwagen zu buchen, die Übernachtungsmöglichkeiten variieren je nach Budget von gepflegten B&B bis zu mehrsternigen Hotels.

Erlebnis Cornwall

Ich habe mich in Cornwall umgesehen und konnte mich von der Schönheit dieser Halbinsel überzeugen, auf der sich der westlichste und südlichste Punkt Englands, nämlich Land´s End und Lizard Point befinden. Die Grafschaft ist durch den Atlantik, den Ärmelkanal und die Keltische See von drei Seiten mit Wasser umgeben. Raue, steile Felsen, die sich mit langen Stränden und malerischen Buchten abwechseln, prägen die Küstenlandschaft. Hinzu kommt ein sehr angenehmes, gemäßigt maritimes Klima mit viel Niederschlag, durch den Einfluss des Nordatlantikstroms sind die Winter besonders mild. Dadurch können auch mediterrane Pflanzen wachsen, die gerade zahlreiche Gärten, nicht zuletzt im Umfeld hunderter Herrenhäuser und historischer Schlösser wie Monumenten, zu sehenswerten Attraktionen machen.

Prideaux Place, Rock, Cornwall

Prideaux Place, Rock, Cornwall

Hängen geblieben bin ich natürlich in der Gegend um Rock und Padstow, deren Strände, Flüsse und pittoreske Häfen mit all den kleinen Läden, Restaurants und Bars schon Prinz
William in seinen jungen Jahren faszinierten. Nicht verwunderlich, dass man hier von einem eigenen Lebensgefühl spricht oder von Rock als das „Kensington Cornwalls“ oder das „britische St. Tropez“ schwärmt. Auch als begeisterter Golfer sollte man sich die Zeit nehmen, um dieses „Rock-Life“ kennenzulernen, ich möchte sogar sagen, zu inhallieren. Denn auch Liebhaber guten Essens kommen in Cornwall auf ihe Kosten. Dazu gehört selbstver-ständlich frisches Seafood in den einladenden Restaurants an Häfen und Stränden. An den „cornish mussels“ kommen die wenigsten vorbei.

Fowey in Cornwall (Paul Watts )

Fowey in Cornwall (Paul Watts )

Dabei sollte man auch einen Abend bei Jamie Oliver einplanen. Sein Restaurant „Fifteen Cornwall“ liegt direkt am Strand von Watergate Bay und erinnert an die Sansibar auf Sylt. Sicherheitshalber sollte man schon einige Wochen vor Antritt der Reise einen Tisch reservieren, ansonsten benötigt man viel Glück noch einen zu ergattern. Mit noch mehr Glück trifft man den englischen Starkoch auch persönlich an.

Linksgolf vom feinsten

Nun verwundert es wenig, dass sich in solch traumhafter Landschaft entsprechende Golfplätze befinden. Als bekennender Links Golf-Fan war ich ganz besonders auf ein sehr interessantes Projekt gespannt. Unter der Bezeichnung „England´s Atlantic Links“ haben sich sechs Championship Links Kurse in den benachbarten Grafschaften Cornwall, Devon und Sommerset vereinigt und locken einheimische wie ausländische Golfer aller Stärken.

16. Grün St. Enodoc GC mit Blick auf Stepper Point ( Stuart Morley )

16. Grün St. Enodoc GC mit Blick auf Stepper Point ( Stuart Morley )

Beginnen möchte ich im ersten Teil meiner Reportage mit dem St. Enodoc Golf Club in Rock, Cornwall. Ursprünglich designed vom legendären James Braid wird hier auf zwei Plätzen seit über 125 Jahren in den Dünen Golf gespielt. Der bekanntere der beiden Kurse ist der „Church Kurs“, der für moderne Standards mit knapp unter 6.000 Metern bei Par 69 nicht wirklich lang ist, aber mit zu den schwersten Linksplätzen des Landes zählt. Bis heute liegt der Platzrekord bei 65 Schlägen, also gerade mal bei vier unter Par. Und das obwohl hier schon Open-Sieger wie Henry Cotton, Jim Barnes oder Tom Watson spielten beziehungs-weise zahlreiche Nationale Meisterschaften ausgetragen wurden. Die geläufige Annahme, dass sich ein Linkskurs nur bei Wind schwer spielt, trifft hier sicher nicht zu. Auf dem hügeligen Gelände erwartet den Golfer zahlreiche blinde und halbblinde Schläge vom Abschlag bis zu den schweren, welligen Grüns. Eine gute körperliche Fitness ist sehr hilfreich. Auch die zahlreichen tiefen Bunker stellen zum Teil äußerst herausforderne Situationen bereit.

Himalaya Bunker, Loch 6, St. Enodoc GC (Stuart Morley)

Himalaya Bunker, Loch 6, St. Enodoc GC (Stuart Morley)

Legendär ist sicher der „Himalaya Bunker“ am Grün des 6. Loches, der der größte Europas sein soll. Dessen Anziehungskraft ist so groß, dass natürlich auch ich mich darin befand und das Doppelbogey gerade noch so kratzen konnte;) Als signature hole wird aber Loch 10 bezeichnet, das an der Ruine der St. Enodoc Kirche aus dem 11. Jahrhundert vorbei führt und man leicht von dieser ungewöhnlichen Szenerie vom Golf abgelenkt werden kann. Zudem man gleichfalls an einem an der Kirche gelegenen Friedhof vorbei spielt, auf dem seit 1984 der bekannteste Lyriker Großbritanniens des 20. Jahrhunderts, Sir John Betjeman liegt, der die letzte Ruhe auf seinem Lieblingsgolfplatz finden wollte.

05

Im positiven Sinne abgelenkt werden kann man sicher jederzeit von den atemberaubenden Blicken, die die langgezogene Küste Cornwalls bietet. Die Greenfees auf dem church course schwanken je nach Jahres- und Wochenzeit zwischen 50 und 75 Pfund. Wer es etwas einfacher haben möchte oder weniger Zeit mitbringt, dem ist der „Holywell Platz“ zu empfehlen. Hier kostet das Greenfee nur 25 englische Pfund und er ist in weniger als drei Stunden zu spielen. Er ist besonders bei Jugendlichen und Senioren, aber auch bei Feierabendgolfern beliebt. Beide Plätze sind dank des warmen Golfstromes auch in den Wintermonaten gut bespielbar.
Neben St. Enodoc sollte ein Tag und Abend für den Trevose Golf & Country Club reserviert sein. Nicht unweit von Rock und Padstow erreicht man Constantin Bay. Den Championship Course kann man ohne Übertreibung als Perle bezeichnen. Dafür steht schon der Name des Architekten Harry Colt, aus dessen Feder Legenden wie Augusta National, Pine Valley, Sunningdale, Royal Portrush oder Muirfield stammen. Steht man vor dem einladenden Clubhaus auf Abschlag eins, hat man in einem atemberaubenden Blick alle 18 Löcher vor sich liegen.

Clubhausblick über Trevose G&CC

Clubhausblick über Trevose G&CC


4. Grün Trevose G&CC mit Blick auf Trevose Head

4. Grün Trevose G&CC mit Blick auf Trevose Head

Der 1925 fertiggestellte Platz spielt sich in zwei Loops, die ersten neun Löcher verlaufen entlang der Dünen bis an das Wasser heran, die zweiten 9 nicht weniger spektakulär zurück ins Landesinnere bis zum Clubhaus. Anders als in St. Enodoc sind hier Fairways und Grüns breiter und offener und der Platz eher vom Einfluss des Windes abhängig. Hinsichtlich Qualität und Lage zählt auch Trevos wie St. Enodoc zu den besten 100 Plätzen Großbritanniens und Irlands. In unmittelbarer Nähe des Clubhauses können Clubeigene Lodges und Apartements gemietet werden, so dass man den ein oder anderen Drink mehr an der stilvollen Bar, im Clubbereich oder im Restaurant einnehmen kann. Bei der sehr empfehlenswerten Auswahl an Malt Whiskys genießt man den Blick auf Golfplatz, den Trevose Head und den rauhen Atlantik. Trevos wird man so schnell nicht vergessen.

Trevose G&CC

Trevose G&CC

In den nächsten beiden Teilen meiner Reportage geht die Reise in die benachbarten Grafschaften Devon und Somerset. Lasst Euch überraschen.